22. Oktober 2020 – 18.00 Uhr
Basler Afrika Bibliographien, Basel

[VERSCHOBEN AUF 2021*] Dekolonisierung von Wissen? Afrikasammlungen kuratieren & popularisieren | Decolonising knowledge? Curating & popularising Africa collections

Wissen und Wissensbestände werden kuratiert, um sie zugänglich und vermittelbar zu machen. Ob Bücher, Dokumenten- und Objektsammlungen jeglicher Art, Kataloge oder Datenbanken – jedes Einzelmedium oder eine Ansammlung davon in Form von Bibliotheken oder Archiven implizieren eine mehr oder weniger explizit strukturierte Wissensproduktion, die für weitere Zwecke Inhalte als Wissen definiert und kuratiert. Auf allen Ebenen der Wissensproduktion erfolgen Entscheidungen (z.B. durch eine(n) AutorIn, eine(n) BibliothekarIn/ArchivarIn wie auch durch Ausstellungs- oder FilmemacherInnen), um Wissen für ein zumeist definiertes Publikum und in spezifischen Formen zu vermitteln. Wissensorte sind damit stets Orte der Wissensproduktion und dies heute häufig und gleichzeitig mit und in physischen wie digitalen Formen.

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Foto: Basler Afrika Bibliographien, Basel
Foto: Basler Afrika Bibliographien, Basel

Dieses Projekt nimmt ausgewählte Aspekte der Wissensproduktion und – kuration durch eine Schweizer Dokumentationsstelle zu afrikanischen Sammlungen, die Basler Afrika Bibliographien (BAB), zum Ausgangspunkt, um danach zu fragen, inwieweit Wissensbestände zumal zu Afrika-bezogenen Sammlungen in der Schweiz gestaltet, vermittelt und verbreitet wurden und werden. Eine spezifische Fragestellung gilt der Dekolonisierung von Wissen und damit aktuellen wissenspolitischen Fragen im globalen Süden und Norden zu kolonialen Sammlungen und ihrer Provenienz, Produktion und Relevanz als Wissenssammlungen. Bislang werden diese Fragen insbesondere mit Bezug auf Museumssammlungen diskutiert während Bibliotheks- und Archivbestände wenig Aufmerksamkeit erlangen.

Das Projekt, das an eine Lehrveranstaltung zur Kuration von afrikanischen Wissensbeständen im Herbstsemester 2020 am Departement Geschichte der Universität Basel, gekoppelt ist, sieht vier öffentliche Diskussions- und Präsentationsforen zu ausgewählten Themen vor.

Serie: Wissensorte

22. Oktober 2020, 18.00-20.00 Uhr

In der Bibliothek Wissen sammeln: Von der Bibliographie zur Datenbank

Die Bibliographie war eine wesentliche Wissenstechnik, um spezifische Themen wie auch Sammlungen zusammenzufassen. Die bibliographische  Arbeit in den BAB bietet den Ausgangspunkt, um die historische Relevanz der (afrikanischen National-) Bibliographie als Wissenstechnik (in kolonialen Kontexten) zu  thematisieren und Fragen zur transnationalen Relevanz von elektronischen Katalogen und zukünftigen Bedeutung von Datenbanken zu stellen.  

 

12. November 2020, 18.00-20.00 Uhr

In der Bibliothek Wissen klassifizieren: Von der kolonialen zur post-kolonialen Bibliothek 

Welche Wissensbestände bestimmten eine koloniale (afrikanische) Bibliothek und verlangten  ab den 1960er Jahren eine Dekolonisierung von Wissen? Mit welchen Prämissen wurde und wird eine postkoloniale Bibliothek aufgebaut und in welcher Weise können dekoloniale Erschliessungtechniken koloniale und rassistische Wissensbestände heute – für wen - kuratieren? 

 

26. November 2020, 18.00-20.00 Uhr

Im Archiv Wissen archivieren: Von der Archivschachtel und dem Leitz-Ordner zur Forschungsdatenbank

Wurden Archivsammlungen aus afrikanischen Ländern in Schweizer Archiven aufgenommen und welche Sammlungen werden heute in die Herkunftsländer restituiert? In welcher Weise bestimmt archivalische  Materialität die Erschliessungs- und Konservierungsarbeit einer Archivsammlung, welche Bedeutung kommt der Provenienz, dem Original  und der Kopie von Dokumenten (im transnationalen Kontext und z.B. mit Bezug auf afrikanische Manuskripte oder Fotografien) zu? 

 

21. Januar 2021, 18.00-20.00 Uhr

Im Ausstellungsraum Wissen erzählen, visualisieren und popularisieren: Vom Gespräch und Preislied zur Soundscape und Kunstinstallation

Sammlungsinstitutionen kuratieren und inszenieren für ein breiteres Publikum Bestände und dies häufig multimedial. Wissen wird erzählt, visualisiert und popularisiert. Welche Ausstellungspraktiken kommen zur Anwendung, welche Bedeutung kommt dekolonialen Praktiken z.B. im Umgang mit kolonialen Bildbeständen zu? Insbesondere KünstlerInnen zeigen in den vergangenen Jahren vielfältige neue Wege im Umgang mit kolonialem Wissen auf.

Jedes Forum soll im Rahmen des Projektes durch einen halbtägigen Workshop mit und für Studierende und FachkollegInnen sowie durch eine anschliessende Podiums- oder Kunst-/Filmpräsentation für eine breitere Öffentlichkeit zugänglich sein.